BENEDIKT HIPP
SONGS FROM THE ORBS
Mit „Indemini“ ist dem Emil Schumacher Museum eine außergewöhnliche Neuerwerbung gelungen. Das mit drei Metern Höhe geradezu monumentale Werk aus dem Jahr 1974 zählt zu den vier größten Leinwänden Emil Schumachers und gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen seines experimentellen Umgangs mit Material. Nur sein Mosaik in der U-Bahn-Station „Colosseo“ von Rom oder wenige festverbaute Keramikwände übertreffen diese Bilder in ihren Dimensionen. Jahrzehntelang befand sich dieses wichtige Gemälde als Dauerleihgabe im Saarlandmuseum in Saarbrücken. Im vergangenen Winter konnte die Emil Schumacher Stiftung das Werk aus Privatbesitz erwerben und so nun dauerhaft für die Öffentlichkeit sichern.
Die Ausstellung „Emil Schumacher – Indemini. Der Erde näher als den Sternen“ rückt diese bedeutende Erwerbung erstmals in den Mittelpunkt einer umfassenden Präsentation. Nach einer Reihe von Ausstellungen zum künstlerischen Umfeld Emil Schumachers widmet das Museum seinem Namensgeber damit erstmals seit fünf Jahren wieder eine große monografische Werkschau. Ausgangspunkt ist Schumachers monumentales Materialbild „Indemini“, in dem Jute, Farbe und Teer zu einer ebenso archaischen wie kraftvollen Bildwelt verschmelzen. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung des Materials für Schumachers Schaffen – von den frühen Arbeiten bis zu seinen späten Werkphasen.

Parallel dazu zeigt das Museum mit der Einzelausstellung „Songs from the Orbs“ von Benedikt Hipp (*1977) eine der eigenständigsten und profiliertesten Positionen der jüngeren deutschen Gegenwartskunst. In Malerei, Skulptur und keramischen Holzbrandarbeiten erforscht Hipp die Möglichkeiten des Materials mit großer Konsequenz. Ton, Feuer, Asche und Zeit werden dabei zu aktiven Bestandteilen seiner Werke. Die Präsentation entsteht eigens für das Emil Schumacher Museum und bezieht die Architektur des Hauses sowie die unmittelbare Nachbarschaft zur Ausstellung von Emil Schumacher in die räumliche Inszenierung ein.

Beide Ausstellungen folgen jeweils ihrer eigenen künstlerischen Logik. Gerade deshalb erscheinen die Berührungspunkte umso überraschender. Obwohl mehr als sechs Jahrzehnte zwischen den Künstlern liegen, vertrauen beide auf die Kraft des Materials und auf Prozesse, deren Ergebnis sich nicht vollständig planen lässt. Aus den Bedingungen ihrer jeweiligen Zeit gelangen beide zu Werken, in denen Material weit mehr ist als bloßer Träger eines Bildes.

„Auf den ersten Blick scheinen die Ausstellungstitel in entgegengesetzte Richtungen zu weisen: hier die Erde, dort der Kosmos. Tatsächlich führt der Weg bei beiden Künstlern immer wieder zurück zum Material – und damit auf die Erde. Und trotz aller Unterschiede bleibt auch die sichtbare Welt präsent: Bei Emil Schumacher begegnen uns Häuser, Tiere und andere Bildzeichen, bei Benedikt Hipp Körperfragmente und anthropomorphe Formen. Die Wirklichkeit erscheint dabei nicht als Abbild, sondern als Spur“, sagt Ausstellungskurator und Museumsdirektor Rouven Lotz.
So begegnen sich im Emil Schumacher Museum keine Positionen von Vorbild und Nachfolger, sondern zwei Künstler unterschiedlicher Generationen, die in ihrer jeweiligen Zeit sowie aus jeweils eigener Erfahrung und Werkentwicklung heraus überraschend verwandte Fragen an Material, Form und Bild stellen.

Benedikt Hipp Songs from the Orbs 13. September 2026 bis 17. Januar2027