Fabian Seyd: o.T. (voliere), 2013, Öl auf Leinwand, 180 x 280 cm, (c) Fabian Seyd / Galerie Börgmann, Mönchengladbach



Fabian Seyd
Singaja
1. Oktober – 29. November 2015



Das Osthaus Museum Hagen präsentiert vom 1. Oktober bis zum 29. November 2015 die Ausstellung „Singaja“ des Künstlers Fabian Seyd, der in Königs Wusterhausen im Spreewald geboren wurde und heute in Berlin lebt und arbeitet. Für ihn ist es eine Premiere der besonderen Art. Nach zahlreichen Ausstellungen in Galerien und an anderen Orten präsentiert er nun seine Arbeiten erstmals in einem Museum.

Zu sehen sind neben Malerei auch Skulpturen, Zeichnungen, Fundstücke und Vitrinen mit diversen Schaustücken einer fiktiven, zeitlich nicht genau verorteten Expedition. Man dringt ein in eine Terra incognita, in ein koloniales Eldorado, ein nicht näher bezeichneten Wunschland, somit in eine Projektionsfläche für ethnologische und imperiale Träume. Den Betrachtenden wird ein Panoptikum der Seh- und Sehnsüchte dargeboten. Bei den gezeigten Exponaten verschwimmt der Raum zwischen Original und Fälschung, es entwickelt sich ein Augenspiel, das einem naturhistorischen Kabinett ähnelt, allerdings ohne didaktischen Hintergrund.

Die künstlerische Expedition hat Schaustücke zurückgebracht, die Beweise des Entdeckungswillens des Schöpfenden sind, der die Wildnis kartographiert. Fabian Seyds Arbeiten besitzen eine Intensität, die den Betrachtenden auffordert, sich mit dem Gesehenen eindringlich auseinanderzusetzen. Seine Werke folgen bildnerischen Visionen, die in dieser Weise einmalig sind und Perspektiven des Schauens eröffnen.

Fabian Seyd selbst fasst seine Gedanken zur Ausstellung in folgende Worte: „Wo sind wir? Überall im Gründerland am Nullpunkt der Entdeckungen. Inmitten einer Südsee, einer Polarkappe, eines Dschungels, eines Berges, der Heimatbestimmung- und Erweiterung ermöglicht. Fake und Propaganda, Wunderkammer und Völkerschau. Nichts ist wahr, der Zauber urewig.“

Die Ausstellung ist zustande gekommen Dank des großen Engagements der Galerie Börgmann aus Mönchengladbach. Im Verlag Nicolai ist auf Initiative von Jörg Börgmann ein Katalog zur Ausstellung erschienen, der es auch möglich macht, den Werdegang des Künstlers aufzuspüren.

In Kooperation mit der Ausstellung wird die Soundinstallation "Primitiva" von Hanno Leichtmann zu hören sein.


Primitiva
Klanginstallation von Hanno Leichtmann

Hanno Leichtmann verfolgt einen besonderen Ansatz bei der Umsetzung seiner Klanginstallationen. Die Grundlage seiner Arbeit ist die Auseinandersetzung mit (Klang)Archiven unterschiedlichster Art.

Vor vier Wochen lief seine Installation „Unfinished Portrait of Roedelius Today“ im Haus der Kulturen der Welt, Berlin. Für diese Arbeit extrahierte er aus dem Gesamtwerk des Elektronikpioniers Hans Joachim Roedelius eine 80minütige 4-Kanal-Komposition aus dessen riesigem Oeuvre. Nächstes Jahr wird er im Rahmen des HISTORAGE-Projektes des Internationalen Musikinstituts Darmstadt deren gerade neu digitalisiertes Gesamtarchiv im Rahmen der 48. Internationalen Ferienkurse Darmstadt zu einer Mehrkanalinstallation „re-mixen“.

Für die Klanginstallation „PRIMITIVA“ im Osthaus Museum Hagen verwendet der Berliner Klangkünstler historische Aufnahmen sogenannter „primitiver Musik“ als Klangarchiv. Die extrahierten Klänge wurden in zum Teil mikroskopisch kleine Loops zerlegt, die, auf vier Kanäle verteilt, aus vier verschiedenen Teilen des Raums zu hören sind. Anknüpfend an seine Kompositionsmethode von „Unfinished Portrait of Roedelius Today“ lenkt Leichtmann die Aufmerksamkeit des Publikums auf kleinste Bauteile von „Primitiva“: Trommeln, Flöten, Gesang, Schreie oder einfach nur Urwald- und Tiergeräusche, die er durch die Verortung im Raum in einen Dialog miteinander bringt. Leichtmann konzentriert sich dabei auf Aufnahmen aus den 50er und 60er Jahren und lässt unterschiedlichste Klangfragmente miteinander kollidieren: Rhythmusfragmente treffen, mit Hilfe von Loops zum Stottern gebracht, auf Chorgesänge, Cut Up-Aufnahmen von Naturklängen treffen auf eiernde Panflötenmelodien, dumpfes Stampfen und Klatschen treffen auf geloopte Sprachfetzen.

Im Osthaus Museum werden, auf vier Kanälen verteilt, jeweils 60 etwa 1 - 2minütige Loopminiaturen oder einfach Stille im Zufallsmodus abgespielt. So ergeben sich über die Laufzeit von mehreren Stunden, Tagen oder Wochen immer neue unerwartete Kombinationen und Klangschichtungen, die zwischen absoluter Stille und mehreren Aufeinanderschichtungen oszillieren. Die Klanginstallation ist um Fabian Seyds installative Kollage aus Ästen, Tierfellen, Schädeln und primitiven Waffen in der Mitte des Raums gruppiert - man kann überall im Raum den Mix der 4 einzelnen Kanäle wahrnehmen. Sobald man sich jedoch sich den einzelnen Lautsprechern nähert, kann man sich die einzelnen Loopschichtungen der Klangcollage wie mit einer Lupe näher heranziehen und hörbar machen.

Die Installation PRIMITIVA sowie eine Version von „Unfinished Portrait Of Roedelius Today“ können, nach Absprache mit dem Künstler, in unterschiedlichen Versionen gekauft oder gemietet werden.

 www.hannoleichtmann.com



Fabian Seyd BIOGRAPHIE

1979
geboren in Königs Wusterhausen; lebt und arbeitet in Berlin
1999
Abitur in Berlin
2000
Studium Kunstgeschichte/Literatur an der FU Berlin
2004
Beendigung des Studiums; Arbeit als freischaffender Künstler


AUSSTELLUNGEN
2014
Endurance, Einzelausstellung, Galerie Börgmann
Lithium, Group Show, Polarraum Hamburg

2013
le notti bianche, Einzelausstellung, Galerie Börgmann, Mönchengladbach
Die ewig helle Schar, Einzelausstellung, Kunstverein Peschkenhaus Moers e.V., Moers ( K )
Mein schöneres Ich, Group Show, Club der polnischen Versager, Berlin
Mummenschanz, Einzelausstellung, Polarraum Hamburg, Hamburg
2012
Die Gesandten, Einzelausstellung, Galerie Börgmann, Krefeld
Ius primae noctis, Gruppenausstellung, Galerie Börgmann, Mönchengladbach
2011
HAUS, Gruppenausstellung Stiftung Poll, Berlin
Fabian Seyd, Einzelausstellung, Galerie Wagner & Marks, Frankfurt a.M.
2010
Fütterung der Kreaturen, Solo Exhibition Galerie Börgmann ( K )
Contemporary Landscapes, Group Show Düsseldorf
Börgmann temporary Berlin, Groupshow, Uferhallen Berlin (K )
2009
Spiele der Sekundanten , Galerie Wagner und Marks, Solo Exhibition
Sie werden Sie beobachten, group show, Galerie Börgmann
2008
Mademoiselle... , Solo Exhibition, Galerie Börgmann ( K )
2007
Einzelausstellung galerie wagner + marks, FFM,
"Sae Bom Lee und Fabian Seyd", Galerie Stefan Denninger, Berlin
2006
Seminarraum 23, Gruppenausstellung, Berlin "Stichpimpuli...", Gruppenausstellung, Galerie Stefan Denninger, Berlin
2005
schwarzweiß, Einzelausstellung, Projektraum entwederoder, Berlin
Das Ende von Etwas, temporärer Ausstellungsraum, Berlin